“Ich bin überzeugt davon, dass gemeinsam im Zusammenschluss auf der politischen Ebene mehr für die Kriminalitätsvorbeugung zu erreichen ist” – Ulrich von Kirchbach, Bürgermeister für Kultur, Integration, Soziales und Senioren der Stadt Freiburg

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Ulrich von KirchbachDie Stadt Freiburg, eine im Westen Baden-Württembergs gelegene, pulsierende Universitätsstadt mit 220.00 Einwohnern, ist Efus im Januar 2016 beigetreten. In diesem Interview informiert Ulrich von Kirchbach, Bürgermeister für Kultur, Integration, Soziales und Senioren über die Hintergründe des Beitritts sowie aktuelle Initiativen Freiburgs im Bereich der Kriminalprävention und der urbanen Sicherheit.

Was hat Sie zum Beitritt zum Europäischen Forum für urbane Sicherheit bewegt?

Ulrich von Kirchbach: Empfehlungen anderer Städte, wie z.B. durch den Ordnungsbrgermeister Herrn Dr. Schairer aus Stuttgart, den ich persönlich gut kenne. Auch bin ich überzeugt davon, dass gemeinsam im Zusammenschluss auf der politischen Ebene mehr für die Kriminalitätsvorbeugung zu erreichen ist. Das Forum scheint ein gute inhaltliche Unterstützung, erleichterten Zugang zu EU-Fördermitteln sowie gute Möglichkeiten zum Austausch von Erfahrungen zu bieten.

Was ist aus Ihrer Sicht der Nutzen der Zusammenarbeit mit anderen europäischen Städten und Gemeinden?

Der Nutzen der Zusammenarbeit liegt auf der Hand, denn die Häufigkeit von Kriminalitätsfällen in Freiburg ist relativ hoch. Bereits seit 1998 tagt der Koordinationsrat im Rahmen der Kommunalen Kriminalprävention und seit 2002 gibt es den Verein “Sicheres Freiburg” zur Förderung der Kriminalitätsverhütung. Wir haben während dieser Zeit einiges bewegt, doch es gibt immer wieder neue Problemstellungen und leider begrenzte Ressourcen in den Kommunen. Daher interessieren uns zunehmen “Best-Practice-Beispiele” anderer, vergleichbarer deutscher und europäischer Städte. Wir können viel voneinander lernen, nicht jeder muss alles neu erfinden!

Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit im Bereich Sicherheit und Prävention in Ihrer Stadt?

In Freiburg bin ich als Sozialbürgermeister traditionell für das Thema “Prävention” zuständig. Die Schwerpunkte unserer Aufgaben sind vielfältig und reichen von der Wohnungssicherung, Straßensozialarbeit, Suchtprävention und Alkoholpolitik bis hin zur Kriminalprävention. Auch für die Anliegen von SeniorInnen und MigrantInnen bin ich zuständig.

Seit Anfang 2016 haben wir einen neuen Koordinationsrat zur Kriminal- und Suchtprävention gegründet, um die Verzahnung der Themen “Gewalt” und “Sucht” voranzubringen. Es gibt Arbeitskreise zu diesen Themen. Neben den bereits bestehenden Gruppen sollen, je nach Bedarf, auch neue Arbeitskreise entstehen. Generell soll der Austausch untereinander durch die neue Struktur verbessert werden.

Haben Sie in Ihrer Stadt eine lokale Präventionsstrategie und eine lokale Präventionspartnerschaft? Wenn ja: Seit wann besteht die Strategie und wer sind die lokalen Partner?

Ich bin nicht nur Sozialbürgermeister, sondern auch Vorsitzender des Vereins “Sicheres Freiburg”, welcher eigene Projekte initiiert sowie Projekte von Freiburger Institutionen und Schulen mit dem Ziel der Förderung der Kriminalprävention finanziell und ideell unterstützt.

Der seit 2002 bestehende Förderverein ist der operative Arm der Kommunalen Kriminalprävention. Hier und bei der Geschäftsstelle der Kommunalen Kriminalprävention ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Polizei unsere beste Erfolgsstrategie. Weitere aktive Partnerinnen sind seit Bestehen der Kommunalen Kriminalprävention und des Vereins “Sicheres Freiburg” neben der Polizei insbesondere Vertreterinnen des Einzelhandelsverbandes, der Bürgervereine und der Schulen. Weitere Infos zum Verein finden Sie auf der Website www.sicheres-freiburg.de.

Auf welche Projekte, welche Maßnahme Ihrer Stadt sind Sie besonders stolz?

Das Freiburger Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt besteht seit 1998 und verfügt seit 2002 über eine vom Gemeinderat finanziell geförderte eigene Koordinationsstelle. Die inhaltliche Detailarbeit wird in drei themenbezogenen Fachgruppen geleistet.

Auch ist die nachhaltige Förderung der Zivilcourage ein Schwerpunktthema. Hier führen wir alle 2-3 Jahre Ehrungen für Zivilcouragierte und weitere Projekte durch.

Das Solidarmodell “Anti-Graffiti” besteht seit 2006. Mittlerweile fand die 12. Entfernungsaktion im Kampf gegen illegale Graffiti statt. Hier wird eng mit den Bürgervereinen, Verkehrsbetrieben und der Jugendhilfe im Strafverfahren zusammengearbeitet. Dieses Projekt steht und fällt mit dem ehrenamtlichen Engagement der Malerbetriebe.

Auf welche lokalen Problematiken würden Sie gerne – über Efus – die europäischen Institutionen ansprechen?

Aus aktuellem Anlass befasst sich derzeit ein Runder Tisch mit dem Thema “Sicherheit im Freiburger Nachtleben”. Straftaten und die Kriminalitätsfurcht in der Nacht sind angestiegen. Es geht um die Themen der Erhöhung der Sicherheit in Clubs sowie die Sicherheit auf Plätzen und Wegen, also auch die Sicherheit im öffentlichen Raum. Auch die Diskriminierung, z.B. von MigrantInnen wie Homosexuellen, ist ein Thema. Weiterhin ist uns die Förderung der ZIvilcourage noch wie vor wichtig.

Über Anregungen für Projektvorhaben in diesen Bereichen und die Einbindung in EU-geförderte Kooperationsprojekte sind wir dankbar.

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