Porträt: Dr. Martin Schairer, Bürgermeister in Stuttgart, Juli 2008

Also in... (English)

Interview mit Dr. Martin Schairer, Bürgermeister für Recht, Sicherheit, Ordnung der Landeshauptstadt Stuttgart, Juli 2008
EFUS: Die Stadt Stuttgart ist soeben dem Europäischen Forum für urbane Sicherheit beigetreten. Was hat Sie zu diesem Schritt bewegt?
Dr. SCHAIRER: Die guten Erfahrungen aus anderen internationalen Städtenetzwerken, das Lernen aus best-practice-Beispielen und das Weitergeben eigener Erfahrungen an die Partnerstädte.

Welche europäische Perspektive sehen Sie für eine Vernetzung mit anderen Städten?
Es gibt keine Alternative zur europäischen Zusammenarbeit, gerade auf der kommunalen Ebene. Unsere gemeinsamen Ziele müssen sein: Senkung der Kriminalität, Bekämpfung der Kriminalitätsursachen, Prävention vor allem im Bereich der Jugend- und Gewaltkriminalität, Integration der Migranten. Darüber sollten wir uns austauschen.

Welche Schwerpunkte setzen Sie in der lokalen Präventionsarbeit in Stuttgart, und wie ist die Präventionsarbeit aufgestellt? Wie werden die Bewohner Stuttgarts in diese Arbeit mit einbezogen? 

Unsere Schwerpunkte liegen vor allem in der Bekämpfung der Jugend- und Gewaltkriminalität. Unsere Philosophie ist: Sicherheit geht alle an, nicht nur die Polizei. Wir haben deshalb in Stuttgart seit über 10 Jahren eine Sicherheitspartnerschaft zwischen Stadtverwaltung, Polizei und Bürgerschaft; und Kriminalprävention ist in Stuttgart Chefsache. Sonst funktioniert sie nicht.

Welche Erfahrungen der lokalen Prävention würden Sie am ehesten Ihren europäischen Kollegen mitteilen wollen? Welche Empfehlungen können Sie geben?
Unsere guten Erfahrungen der Behörden übergreifender und vernetzter Zusammenarbeit aller Institutionen halte ich für bemerkenswert. Als Beispiel erwähne ich dabei nur das weit über Stuttgart hinaus beachtete Haus des Jugendrechts. Als Empfehlung würde ich aussprechen: Kriminalität muss man dort bekämpfen, wo sie entsteht. Also dezentral und kleinräumig.

Was ist ihr schönstes lokales Präventionsprojekt? Welche Ergebnisse konnten Sie damit erreichen?
Als schönstes Projekt würde ich unser Bündnis für Erziehung bezeichnen. Eine Zusammenarbeit aller in Stuttgart ansässigen Schulen (über 200) mit der Polizei, dem Jugendamt, dem Gesundheitsamt und den niedergelassenen Kinderärzten. Von regelmäßigen Sprechstunden (in der Schule, bei der Polizei, beim Jugendamt, etc.), Hotlines für alle Beteiligten, gegenseitige kurzfristige Beratungen und Unterstützungen, Streitschlichter- und Interventionsmodellen und vieles mehr gehört zu diesem besonders umfassenden und wirkungsvollen Projekt. Auch hier gilt der dezentrale und lokale Ansatz.

Was sollte man in der kommunalen Präventionsarbeit tunlichst nicht tun?
Sich auf positiven Entwicklungen der Kriminalstatistik ausruhen.

Welche Themen wollen Sie in Stuttgart in naher Zukunft hauptsächlich bearbeiten?

Unser Schwerpunkt liegt eindeutig bei der Bekämpfung Jugend- und Gewaltkriminalität. Wir dürfen aber auch die europaweit  gültige demografische Entwicklung nicht außer Acht lassen und müssen uns noch stärker um das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung kümmern. Bekanntlich fühlen sich Senioren am Unsichersten; das Sicherheitsgefühl ist ein wichtiger Standortfaktor für jede Kommune.

2008-07-03

1215107162

723